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BYOYBiologisch, ohne Gift: Garten mit Herz

Nützlinge im Garten erkennen und fördern: die stille Arbeitsgemeinschaft

Marienkäfer, Florfliegen, Schwebfliegen, Schlupfwespen, Ohrwürmer und Laufkäfer: woran du Nützlinge erkennst und wie du ihnen im Bio-Garten Futter und Quartier gibst.

Im biologischen Garten arbeitet eine ganze Mannschaft für dich, die du kaum bemerkst. Larven von Marienkäfern und Florfliegen räumen Blattlauskolonien ab, winzige Schlupfwespen legen ihre Eier in Schädlinge, Laufkäfer jagen nachts Schneckeneier. Diese Tiere ersetzen jedes Spritzmittel, aber nur, wenn sie im Garten Nahrung, Verstecke und Winterquartiere finden. Hier erfährst du, welche Nützlinge besonders wichtig sind, woran du sie erkennst und wie du sie dauerhaft ansiedelst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die wichtigsten Gegenspieler von Blattläusen sind die Larven von Marienkäfern, Florfliegen und Schwebfliegen sowie Schlupfwespen.
  • Viele erwachsene Nützlinge brauchen Pollen und Nektar: Blühpflanzen sind ihr Tankstellennetz.
  • Nützlinge reagieren mit Verzögerung. Ein paar Tage Geduld zahlen sich aus.
  • Laubhaufen, hohle Stängel und unaufgeräumte Ecken sind ihre Winterquartiere.
  • Auch „biologische" Spritzmittel wie Pyrethrum oder Neem treffen Nützlinge.

Warum Nützlinge mit Verzögerung kommen

Ein Grundgesetz der Natur: Erst kommt die Beute, dann der Räuber. Im Frühjahr vermehren sich Blattläuse explosionsartig, weil sie ohne Paarung lebende Junge gebären. Marienkäfer und Florfliegen legen ihre Eier gezielt in die Nähe solcher Kolonien, aber bis die Larven schlüpfen und fressen, vergehen ein bis zwei Wochen. Wer in dieser Zeit spritzt, vernichtet nicht nur die Blattläuse, sondern auch die beginnende Gegenbewegung, und hat im nächsten Jahr dasselbe Problem.

Halte deshalb bei einem ersten Befall die Füße still. Schau dir die Kolonien alle paar Tage an. Meist entdeckst du bald Larven, Eier oder Blattlausmumien. Nur bei sehr starkem Befall an jungen Pflanzen hilft ein scharfer Wasserstrahl oder das Abstreifen mit den Fingern.

Die wichtigsten Nützlinge im Überblick

NützlingSo erkennst du ihnWas er frisstWas er braucht
Marienkäfer und LarveLarve länglich, grau-schwarz mit gelben oder orangen PunktenBlattläuse, Spinnmilben, SchildläuseBlattläuse, Winterquartier in Laub und Rindenritzen
Florfliegezarte grüne Flügel, goldene Augen; Larve mit großen ZangenLarven fressen Blattläuse, Thripse, MilbenBlütenpollen und Honigtau für die Erwachsenen
Schwebfliegesieht aus wie eine kleine Wespe, steht in der LuftLarven fressen Blattläuseoffene Blüten mit leicht erreichbarem Pollen
Schlupfwespensehr klein, schlank, meist schwarzparasitieren Blattläuse, Raupen, EierDoldenblütler, Kleinblüten
Ohrwurmbraun, mit Zange am HinterleibBlattläuse, InsekteneierVerstecke in Hohlräumen
Laufkäferschwarz oder metallisch, flink, nachtaktivSchneckeneier, Jungschnecken, LarvenMulch, Steine, Totholz
Spinnenvielfältigfliegende und krabbelnde Insektenungestörte Strukturen, Stauden, Hecken

Marienkäfer und ihre Larven

Die bekannteste Art ist der Siebenpunkt-Marienkäfer. Erwachsene Käfer fressen Blattläuse, die eigentliche Arbeit leisten aber die Larven. Sie sehen ganz anders aus als die Käfer: länglich, dunkelgrau, mit warzigen Punkten, fast wie kleine Krokodile. Eine Larve frisst während ihrer Entwicklung mehrere hundert Blattläuse. Viele Gärtner halten die Larven fälschlich für Schädlinge. Bevor du etwas von einer Pflanze entfernst, schau genau hin.

Die gelben Eier liegen in kleinen Gruppen auf der Blattunterseite in der Nähe von Blattlauskolonien.

Florfliegen

Die erwachsene Florfliege ist ein zartes, hellgrünes Insekt mit durchsichtigen Flügeln, das abends gern ans Licht fliegt. Ihre Larven werden „Blattlauslöwen" genannt, und das zu Recht: Mit ihren Saugzangen leeren sie in ihrer zwei- bis dreiwöchigen Entwicklung große Mengen Blattläuse. Erwachsene Florfliegen überwintern gern in Schuppen und auf Dachböden. Spezielle Florfliegenkästen, mit Stroh gefüllt und rot gestrichen, bieten ihnen ein Winterquartier.

Schwebfliegen

Schwebfliegen tarnen sich mit gelb-schwarzen Streifen als Wespen, stechen aber nicht. Du erkennst sie daran, dass sie wie ein Hubschrauber in der Luft stehen. Ihre beinlosen, madenartigen Larven fressen Blattläuse. Die erwachsenen Tiere sind auf offene Blüten mit gut erreichbarem Pollen angewiesen, etwa Doldenblütler, Ringelblumen, Phacelia, Kornblumen oder Schafgarbe.

Schlupfwespen

Schlupfwespen sind oft nur wenige Millimeter groß und werden kaum bemerkt. Viele Arten legen ihre Eier in Blattläuse. Die Larve entwickelt sich im Inneren, die Blattlaus stirbt und bleibt als bräunliche, aufgeblähte „Mumie" zurück, aus der später eine neue Schlupfwespe schlüpft. Wenn du solche Mumien in einer Kolonie siehst, ist die Natur schon an der Arbeit.

Ohrwürmer

Ohrwürmer jagen nachts Blattläuse und andere kleine Insekten. Du kannst sie gezielt in Obstbäume umsiedeln: Fülle einen Tontopf mit Holzwolle oder Stroh, hänge ihn kopfüber in den Baum und achte darauf, dass er einen Ast berührt. Ein Nachteil: An sehr reifen Früchten, etwa Pfirsichen, knabbern Ohrwürmer gelegentlich. In Obstbäumen überwiegt aber der Nutzen.

So schaffst du einen Garten für Nützlinge

Blühpflanzen als Futterquelle

Viele erwachsene Nützlinge leben von Pollen und Nektar, nur ihre Larven jagen. Ein Garten mit vielen Blüten über die ganze Saison ist deshalb die Grundlage. Besonders wertvoll sind Pflanzen mit offenen Blüten und kurzen Kronröhren, an die auch kleine Insekten herankommen:

  • Doldenblütler: Dill, Fenchel, Koriander, Wilde Möhre, Pastinake in der Blüte
  • Korbblütler: Ringelblume, Kornblume, Schafgarbe, Margerite
  • Weitere: Phacelia, Buchweizen, Kapuzinerkresse, Borretsch

Lass einzelne Möhren, Pastinaken oder Petersilie im zweiten Jahr blühen. Ihre Dolden ziehen Schlupfwespen und Schwebfliegen in großer Zahl an.

Verstecke und Winterquartiere

Die meisten Nützlinge überwintern im Garten selbst: Marienkäfer unter Laub und in Rindenritzen, Florfliegen in Gebäuden, Schwebfliegen als Puppe am Boden, Laufkäfer unter Steinen und Totholz. Ein zu gründlich aufgeräumter Garten nimmt ihnen diese Plätze.

  • Lass Stauden und hohle Stängel über den Winter stehen und schneide sie erst im Frühjahr zurück.
  • Lege in einer Ecke einen Laubhaufen oder eine Totholzhecke an.
  • Lass an Beeträndern einen Streifen Wildkräuter stehen.
  • Lege Steinhaufen oder eine Trockenmauer an.

Verzicht auf Breitbandmittel

Auch Pflanzenschutzmittel, die im ökologischen Landbau zugelassen sind, etwa mit Pyrethrinen, Neem oder Rapsöl, wirken nicht nur auf Schädlinge. Sie treffen Marienkäferlarven, Schwebfliegenlarven und Schlupfwespen genauso. Im Hausgarten lohnt es sich fast immer, ganz darauf zu verzichten und dem natürlichen Gleichgewicht Zeit zu geben.

Vögel, Igel und andere größere Helfer

Neben den Insekten sind auch Wirbeltiere wichtige Verbündete im Bio-Garten. Ein Meisenpaar braucht zur Aufzucht seiner Brut viele tausend Raupen und Insekten, ein großer Teil davon stammt aus Obstbäumen und Hecken. Nistkästen für Blau- und Kohlmeisen mit einem Einflugloch von 26 bis 28 mm beziehungsweise 32 mm, in 2 bis 3 m Höhe und nicht in praller Sonne aufgehängt, werden meist schnell angenommen. Reinige sie im Herbst, damit Parasiten aus dem alten Nest nicht die nächste Brut belasten.

Igel, Kröten, Blindschleichen und Spitzmäuse fressen Schnecken, Käferlarven und andere Bodenbewohner. Sie brauchen Verstecke wie Laub- und Reisighaufen, Durchschlupfe im Zaun von etwa 13 mal 13 cm und einen Garten ohne Schneckenkorn mit gefährlichen Wirkstoffen. Fledermäuse jagen nachts Nachtfalter, darunter auch die Falter von Apfelwickler und Kohleule. Ein Garten mit Teich und vielen Insekten zieht sie an.

Ein Jahr im Nützlingsgarten

JahreszeitWas du für Nützlinge tun kannst
FrühjahrStauden erst ab April zurückschneiden, wenn die Überwinterer aktiv sind; erste Blüten wie Weiden und Wildobst anbieten
FrühsommerBlattlauskolonien beobachten statt spritzen; Doldenblütler blühen lassen
HochsommerWasserstellen flach anlegen; Blühstreifen nicht vollständig mähen
HerbstLaubhaufen anlegen, hohle Stängel stehen lassen, Florfliegenkasten aufstellen
WinterNistkästen reinigen und neue aufhängen, Totholz liegen lassen

Diese kleinen Schritte kosten kaum Zeit, verändern das Gleichgewicht im Garten aber nachhaltig. Nach einigen Jahren wirst du feststellen, dass Blattlausplagen seltener werden und schneller von selbst zusammenbrechen.

Nützlinge kaufen?

Im Fachhandel kannst du Florfliegenlarven, Marienkäferlarven, Schlupfwespen oder Nematoden kaufen. Im Gewächshaus sind sie sehr wirksam, weil sie dort bleiben. Im Freiland wandern viele Tiere ab, und der Erfolg hängt stark vom Wetter ab. Eine Ausnahme sind Nematoden gegen Dickmaulrüssler- oder Gartenlaubkäferlarven, die im Boden gut wirken, sofern die Bodentemperatur stimmt, meist über 12 °C. Für den Gemüsegarten im Freiland ist es nachhaltiger, die heimischen Nützlinge zu fördern.

Weniger bekannte Helfer: Laufkäfer, Spinnen und Raubwanzen

Neben den bekannten Marienkäfern gibt es viele unscheinbare Nützlinge. Laufkäfer jagen nachts am Boden und fressen unter anderem Schneckeneier und kleine Schnecken. Sie verstecken sich tagsüber unter Steinen, Brettern und Mulch. Spinnen fangen in Netzen und auf der Jagd große Mengen an Insekten, darunter viele Schädlinge.

Kleine Raubwanzen, etwa Blumenwanzen, saugen Blattläuse, Thripse und Spinnmilben aus und sind wichtige Helfer im Obst- und Gemüsegarten. Auch Weichkäfer, deren Larven im Boden leben, und Raubfliegen gehören zu den Nützlingen. Ein Garten mit Blüten, Verstecken und ohne Breitbandmittel bietet ihnen allen Lebensraum.

Häufige Fragen

Sind Asiatische Marienkäfer schädlich?

Der Asiatische Marienkäfer ist eine eingeführte Art, die heimische Marienkäfer verdrängen kann. Er frisst ebenfalls Blattläuse. Du erkennst ihn an der variablen Färbung und oft einem schwarzen „M" oder „W" auf dem weißen Halsschild. Gezielte Bekämpfung im Garten ist nicht sinnvoll.

Wie lange dauert es, bis sich Nützlinge ansiedeln?

In einem neu angelegten Garten oft ein bis zwei Jahre. Je mehr Struktur und Blüten der Garten bietet, desto schneller stellt sich ein Gleichgewicht ein.

Helfen Insektenhotels Nützlingen?

Die meisten Insektenhotels dienen Wildbienen und einigen Wespenarten. Für Marienkäfer und Laufkäfer sind Laub, Totholz und Stauden wichtiger. Ein gutes Insektenhotel ist trotzdem eine sinnvolle Ergänzung.

Schaden Hausmittel wie Seifenlauge auch Nützlingen?

Ja, Kontaktmittel treffen alle Insekten, die sie benetzen, also auch Larven von Marienkäfern, Florfliegen und Schwebfliegen. Behandle deshalb nur gezielt die befallenen Triebe, und probiere vorher mechanische Methoden wie Abstreifen oder einen kräftigen Wasserstrahl. Oft erledigen die Nützlinge den Rest innerhalb weniger Wochen.

Brauchen Nützlinge Wasser im Garten?

Ja, viele Insekten trinken regelmäßig. Eine flache Schale mit Steinen oder Murmeln als Landeplätze, gefüllt mit Regenwasser, hilft Bienen, Schwebfliegen und anderen Helfern besonders an heißen Sommertagen. Wechsle das Wasser alle paar Tage, damit sich keine Mückenlarven entwickeln.

Auch eine Vogeltränke im Garten wird von vielen Insekten genutzt.

Lege dafür einige Steine hinein, damit die Insekten sicher landen können.

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