Wildbienen im Garten fördern: Nistplätze, Futterpflanzen und Fehler bei Insektenhotels
Wildbienen bestäuben Obst und Gemüse. So hilfst du ihnen mit heimischen Blühpflanzen, offenen Bodenstellen, richtig gebauten Nisthilfen und markhaltigen Stängeln.
Wenn im April die Apfelbäume blühen, summt es in den Kronen. Ein großer Teil dieser Arbeit wird nicht von Honigbienen erledigt, sondern von Wildbienen: Mauerbienen, Sandbienen, Hummeln und vielen weiteren Arten. In Deutschland leben rund 560 Wildbienenarten, und etwa die Hälfte davon gilt als gefährdet. Ein Nutzgarten kann für sie ein wertvoller Lebensraum sein, und sie danken es mit besseren Ernten bei Obst, Beeren und vielen Gemüsearten. Doch gute Absichten gehen oft daneben: Viele gekaufte Insektenhotels sind wertlos oder sogar schädlich. Hier erfährst du, worauf es wirklich ankommt.
Das Wichtigste in Kürze
- Etwa drei Viertel der Wildbienenarten nisten im Boden. Offene, sonnige Bodenstellen sind wichtiger als jedes Insektenhotel.
- Viele Arten sind auf bestimmte Pflanzenfamilien spezialisiert. Heimische Wildpflanzen sind deshalb unersetzlich.
- Nisthölzer immer ins Längsholz bohren, nie ins Stirnholz, und die Löcher sauber und glatt halten.
- Ungefüllte Blüten von März bis Oktober bieten durchgehend Nahrung.
- Wildbienen sind friedlich. Die meisten Arten können mit ihrem Stachel die menschliche Haut kaum durchdringen.
Wer sind die Wildbienen?
Zu den Wildbienen gehören alle Bienenarten außer der Honigbiene. Die meisten leben solitär: Jedes Weibchen baut sein eigenes Nest, legt Eier und versorgt jede Brutzelle mit einem Vorrat aus Pollen und Nektar. Danach stirbt es, die nächste Generation schlüpft oft erst im folgenden Jahr. Nur Hummeln und einige Furchenbienen bilden einjährige Staaten.
Wildbienen sind für die Bestäubung oft effizienter als Honigbienen. Mauerbienen fliegen schon bei kühlem Wetter, Hummeln sogar bei Temperaturen knapp über 5 °C und bei leichtem Regen, wenn Honigbienen im Stock bleiben. Manche Pflanzen, etwa Tomaten, werden vor allem durch Hummeln bestäubt, die die Blüten durch Vibration zum Freigeben des Pollens bringen.
| Gruppe | Nistweise | Flugzeit | Bedeutung im Nutzgarten |
|---|---|---|---|
| Rote und Gehörnte Mauerbiene | Hohlräume, Nisthilfen | März bis Juni | Obstblüte, Beeren |
| Sandbienen | Boden, sandige Stellen | März bis Juli | Obstbäume, Weiden, Korbblütler |
| Hummeln | Erdlöcher, Mäusenester, Hohlräume | Februar bis Oktober | Tomaten, Bohnen, Beeren, Kürbis |
| Furchenbienen | Boden | April bis Oktober | viele Gemüseblüten |
| Scherenbienen | Hohlräume, Käferbohrlöcher | Juni bis August | spezialisiert auf Glockenblumen |
| Löcherbienen | Hohlräume | Juni bis August | spezialisiert auf Korbblütler |
Nahrung: die richtigen Pflanzen
Viele Wildbienenarten sammeln Pollen nur an einer Pflanzenfamilie oder sogar Gattung. Die Glockenblumen-Scherenbiene etwa braucht Glockenblumen, die Natternkopf-Mauerbiene den Natternkopf. Ohne diese Pflanzen kann die Art nicht existieren, egal wie gut die Nistplätze sind. Andere Arten sind weniger wählerisch, profitieren aber ebenso von einem vielfältigen Angebot.
So schaffst du ein durchgehendes Blütenangebot:
- Frühjahr: Salweide (männliche Pflanzen mit Pollen), Kornelkirsche, Lungenkraut, Krokus, Traubenhyazinthe, Obstbäume, Johannis- und Stachelbeeren.
- Frühsommer: Natternkopf, Wiesensalbei, Hornklee, Glockenblumen, Vergissmeinnicht, Himbeeren, Erdbeeren, Phacelia.
- Hochsommer: Oregano, Thymian, Lavendel, Flockenblumen, Wilde Malve, Borretsch, Kornblume, Rainfarn.
- Spätsommer und Herbst: Efeu, Fetthenne, Astern, Herbstzeitlose Krokusse, Kürbisblüten.
Wichtig: Gefüllte Blüten, wie sie bei vielen Zierrosen, Dahlien oder Pfingstrosen gezüchtet werden, enthalten kaum Pollen und Nektar. Die Staubblätter wurden zu Blütenblättern umgezüchtet. Für Bienen sind ungefüllte Sorten und Wildformen viel wertvoller.
Im Gemüsegarten lohnt es sich, einzelne Pflanzen blühen zu lassen: Lauch, Zwiebeln, Rucola, Radieschen und Möhren im zweiten Jahr ziehen viele Wildbienen an. Auch Kräuter wie Schnittlauch, Thymian und Bohnenkraut sind beliebte Bienenweiden.
Nistplätze im Boden
Die Mehrheit der Wildbienen gräbt Nester in den Boden: Sandbienen, Furchenbienen, Seidenbienen und viele andere. Sie brauchen sonnige, offene, nur spärlich bewachsene Bodenstellen, je nach Art in sandigem oder lehmigem Boden. In aufgeräumten Gärten mit dichtem Rasen und gemulchten Beeten fehlen diese Stellen fast völlig.
So hilfst du Bodennistern:
- Lass an einem sonnigen Platz einige Quadratmeter Boden offen, etwa am Rand eines Weges oder an einer Böschung.
- Lege ein Sandarium an: eine Grube von etwa 50 bis 80 cm Tiefe an einem vollsonnigen Platz, gefüllt mit ungewaschenem, leicht lehmhaltigem Sand. Der Sand sollte etwas bindig sein, sodass ein angefeuchteter Klumpen in der Hand nicht sofort zerfällt. Spielsand ist meist zu fein und zu sauber.
- Fugen zwischen Pflastersteinen mit Sand statt Mörtel bieten ebenfalls Nistplätze.
- Halte die Fläche frei von dichtem Bewuchs, aber störe sie im Sommer nicht.
Nisthilfen richtig bauen
Für die oberirdisch nistenden Arten sind Nisthilfen sinnvoll, wenn sie richtig gebaut sind. Viele Insektenhotels aus dem Handel enthalten Materialien, die Wildbienen nicht nutzen oder die ihre Brut gefährden.
Hartholz mit Bohrlöchern
Verwende abgelagertes Hartholz wie Esche, Buche oder Eiche. Nadelholz ist zu weich und faserig. Bohre die Löcher in die Seite des Holzes, ins Längsholz, nicht in die Stirnseite mit den Jahresringen. Im Stirnholz entstehen Risse, in die Feuchtigkeit und Pilze eindringen.
- Durchmesser 2 bis 9 mm, die meisten zwischen 3 und 6 mm
- Tiefe 5 bis 10 cm, bei kleinen Durchmessern entsprechend weniger
- Abstand zwischen den Löchern 1,5 bis 2 cm
- Bohrlöcher mit Schleifpapier glätten, damit keine Fasern die Flügel verletzen
Hohle Stängel
Schilf- oder Bambusröhrchen mit 3 bis 9 mm Innendurchmesser sind beliebte Nistplätze. Schneide sie direkt hinter einem Knoten ab, sodass ein Ende geschlossen ist, und achte darauf, dass die Öffnung glatt und nicht ausgefranst ist. Bündle sie fest in einer Dose oder einem Holzrahmen, damit Vögel sie nicht herausziehen.
Markhaltige Stängel
Einige Arten, etwa Keulhornbienen und bestimmte Maskenbienen, nagen ihre Nester selbst in markhaltige Stängel. Stelle abgeschnittene Stängel von Brombeere, Himbeere, Holunder, Königskerze oder Beifuß senkrecht oder leicht schräg auf, etwa an einen Zaunpfosten gebunden. Liegend werden sie nicht angenommen.
Was nicht in eine Nisthilfe gehört
- Tannenzapfen, Holzwolle und Stroh: werden von Wildbienen nicht genutzt.
- Lochziegel mit zu großen, rauen Hohlräumen: selten besiedelt.
- Weiches Nadelholz und Stirnholzbohrungen: Risse und Schimmel.
- Glasröhrchen und Kunststoffhalme: Feuchtigkeit kann nicht entweichen, die Brut verpilzt.
Der richtige Platz
Stelle die Nisthilfe sonnig auf, nach Südosten bis Südwesten ausgerichtet, regengeschützt und fest montiert. Sie darf nicht im Wind schaukeln. Eine Höhe von etwa 1 m oder mehr über dem Boden ist günstig. Lass sie das ganze Jahr hängen, denn in den verschlossenen Röhren entwickelt sich die Brut bis zum nächsten Frühjahr. Ein Drahtgitter mit 2 bis 3 cm Abstand vor der Nisthilfe hält Spechte und Meisen ab.
Weitere Hilfen
- Wasserstelle: Eine flache Schale mit Steinen oder Moos, an denen Bienen landen und trinken können, hilft an heißen Tagen. Mauerbienen brauchen zudem feuchten Lehm, um ihre Brutzellen zu verschließen. Eine kleine Lehmpfütze in der Nähe der Nisthilfe ist im Frühjahr Gold wert.
- Totholz und Trockenmauern: Bieten Nistplätze für viele weitere Insekten.
- Nicht zu oft mähen: Ein Teil des Rasens als Blumenwiese oder ein Streifen, der nur zwei- bis dreimal im Jahr gemäht wird, bietet Klee, Gundermann und Ehrenpreis zum Blühen.
- Keine Insektizide: Auch biologische Mittel wie Pyrethrum sind für Bienen giftig.
Spezialisten: Bienen mit Lieblingspflanzen
Viele Wildbienenarten sind wählerisch. Sie sammeln Pollen nur an einer bestimmten Pflanzenfamilie oder sogar nur an einer einzigen Gattung. Die Glockenblumen-Scherenbiene etwa ist auf Glockenblumen angewiesen, die Natternkopf-Mauerbiene auf den Gewöhnlichen Natternkopf. Fehlen diese Pflanzen, kann die Biene ihre Brut nicht versorgen, egal wie viele andere Blüten der Garten bietet.
Wer solchen Spezialisten helfen möchte, pflanzt gezielt heimische Wildpflanzen wie Glockenblumen, Natternkopf, Wiesensalbei oder Hornklee. Ein Garten mit vielen verschiedenen heimischen Arten bietet deshalb deutlich mehr Wildbienen eine Lebensgrundlage als ein Garten mit wenigen, wenn auch üppig blühenden Zierpflanzen.
Wildbienen im Jahreslauf
Die ersten Wildbienen fliegen schon an warmen Tagen im März, etwa Mauer- und Sandbienen, die Weidenkätzchen, Krokusse und Obstblüten besuchen. Im Sommer sind Wollbienen, Blattschneiderbienen und viele Furchenbienen unterwegs. Eine der spätesten Arten ist die Efeu-Seidenbiene, die im September und Oktober fast ausschließlich die Blüten des Efeus nutzt.
Für Wildbienen ist deshalb ein Blütenangebot vom zeitigen Frühjahr bis in den Herbst wichtig. Weiden und Frühblüher im Frühling, Stauden und Kräuter im Sommer und blühender Efeu im Herbst bilden zusammen eine durchgehende Nahrungskette.
Was Wildbienen schadet
Ein großer Teil der heimischen Wildbienen nistet im Boden. Versiegelte Flächen, dicht geschlossene Rasen und Schottergärten nehmen ihnen die Nistplätze. Auch Pflanzenschutzmittel, das Mähen aller Blüten auf einmal und fehlende Wildpflanzen setzen ihnen zu. Lass deshalb einige offene, sonnige Bodenstellen und sandige Wegränder bestehen und verzichte im Garten auf chemische Mittel.
Häufige Fragen
Stechen Wildbienen?
Nur die Weibchen haben einen Stachel, und die meisten Arten können damit die menschliche Haut kaum durchdringen. Sie verteidigen ihr Nest nicht wie Honigbienen oder Wespen. Eine Nisthilfe auf der Terrasse ist auch mit Kindern unbedenklich.
Konkurrieren Honigbienen mit Wildbienen?
In Gegenden mit sehr vielen Bienenvölkern kann die Konkurrenz um Pollen und Nektar Wildbienen benachteiligen, vor allem spezialisierte Arten. Ein reiches Blütenangebot entschärft das Problem.
Warum wird meine Nisthilfe nicht besiedelt?
Häufige Gründe sind ein zu schattiger Platz, raue oder zu große Löcher, falsches Holz oder zu wenig Nahrung in der Umgebung. Manchmal dauert es auch einfach ein Jahr, bis die ersten Bienen sie entdecken.
Wie viele Wildbienenarten gibt es in Deutschland?
In Deutschland sind mehr als 550 Wildbienenarten bekannt, darunter auch die Hummeln. Ein großer Teil davon gilt als gefährdet. Jeder Garten mit heimischen Blühpflanzen und Nistmöglichkeiten trägt dazu bei, ihnen Lebensraum zu bieten.
Helfen gekaufte Blühmischungen Wildbienen?
Das hängt von der Mischung ab. Viele günstige Mischungen enthalten vor allem nicht heimische Zierpflanzen, die nur wenige Arten nutzen können. Besser sind Mischungen mit heimischen Wildpflanzen aus regionaler Herkunft, sogenanntes Regiosaatgut. Sie helfen auch den spezialisierten Arten. Mehr dazu im Ratgeber Blühwiese anlegen.
Achte beim Kauf außerdem darauf, dass die Mischung mehrjährige Arten enthält, die über Jahre blühen.
Einjährige Mischungen müssen dagegen jedes Jahr neu gesät werden.