Organisch düngen im Gemüsegarten: Kompost, Hornspäne, Mist und Brennnesseljauche
Gemüse ohne Mineraldünger versorgen: Nährstoffe verstehen, Hornspäne, Schafwolle, Mist, Gesteinsmehl und Asche richtig dosieren, Brennnesseljauche ansetzen, Überdüngung vermeiden.
Im Biogarten wird nicht die Pflanze gedüngt, sondern der Boden. Statt schnell löslicher Mineralsalze bekommt das Bodenleben organisches Material, das es nach und nach in pflanzenverfügbare Nährstoffe umwandelt. Das Ergebnis sind Pflanzen, die gleichmäßig wachsen, festes Gewebe bilden und weniger anfällig für Schädlinge sind. Organisch zu düngen bedeutet aber nicht, möglichst viel zu düngen. Viele Gartenböden sind sogar überversorgt. Dieser Ratgeber erklärt, welche Nährstoffe Gemüse braucht, welche organischen Dünger es gibt und wie du sie maßvoll einsetzt.
Das Wichtigste in Kürze
- Kompost ist die Grundlage. Für die meisten Kulturen reicht er zusammen mit einer gezielten Stickstoffgabe für Starkzehrer.
- Hornspäne liefern langsam Stickstoff über mehrere Monate. Für Starkzehrer etwa 50 bis 80 Gramm pro Quadratmeter.
- Brennnesseljauche ist ein schnell wirkender, kostenloser Flüssigdünger für Tomaten, Kohl und Kürbis, 1 zu 10 verdünnt.
- Mist nur gut abgelagert verwenden und nicht frisch an Wurzelgemüse geben.
- Überdüngung macht Pflanzen weich und anfällig und belastet das Grundwasser. Eine Bodenanalyse zeigt, was wirklich fehlt.
Was Pflanzen brauchen
Die drei Hauptnährstoffe werden oft mit ihren chemischen Zeichen abgekürzt:
| Nährstoff | Aufgabe | Mangelzeichen | Überschuss |
|---|---|---|---|
| Stickstoff (N) | Blatt- und Triebwachstum | hellgrüne bis gelbe ältere Blätter, schwacher Wuchs | weiche, mastige Pflanzen, Blattläuse, Nitrat in Blattgemüse |
| Phosphor (P) | Wurzeln, Blüten, Samen | rötlich-violette Blätter, schwache Wurzeln | in Gärten häufig, blockiert andere Nährstoffe |
| Kalium (K) | Wasserhaushalt, Fruchtqualität, Frosthärte | braune Blattränder, schwache Früchte | selten problematisch |
Dazu kommen Magnesium, Calcium, Schwefel und Spurenelemente wie Eisen und Bor. Ein humusreicher Boden mit regelmäßiger Kompostgabe enthält sie meist in ausreichender Menge.
Kompost als Basis
Reifer Kompost liefert alle Nährstoffe in einer ausgewogenen Mischung, langsam und in der Menge, die das Bodenleben freisetzt. Er ist Dünger und Bodenverbesserer zugleich. Für viele Kulturen reicht eine Kompostgabe im Frühjahr. Wie du guten Kompost herstellst und wie viel du wohin gibst, steht in Kompost anlegen.
Organische Dünger im Überblick
Hornspäne, Horngrieß, Hornmehl
Gemahlene Hörner und Hufe von Rindern sind der klassische Stickstoffdünger im Biogarten. Sie enthalten etwa 12 bis 14 Prozent Stickstoff. Je feiner gemahlen, desto schneller wirken sie:
- Hornmehl: wirkt nach wenigen Wochen
- Horngrieß: wirkt über einige Wochen bis Monate
- Hornspäne: wirken langsam über mehrere Monate
Für Starkzehrer wie Tomaten, Kohl, Kürbis und Kartoffeln arbeitest du im Frühjahr 50 bis 80 Gramm Hornspäne pro Quadratmeter flach ein, für Mittelzehrer 30 bis 50 Gramm. Schwachzehrer brauchen keine Hornspäne.
Schafwollpellets
Gepresste Schafwolle liefert Stickstoff und Kalium, speichert Wasser und zersetzt sich über mehrere Monate. Sie eignet sich besonders für Kübel und Hochbeete. Dosierung nach Packungsangabe.
Mist
Gut abgelagerter Pferde-, Rinder- oder Schafmist ist ein ausgezeichneter Dünger und Bodenverbesserer. Er sollte mindestens sechs Monate, besser ein Jahr gelagert haben und krümelig sein. Frischer Mist kann Wurzeln verbrennen, fördert bei Möhren Verformungen und bei Zwiebeln Fäulnis. Gib Mist im Herbst auf Flächen für Starkzehrer, etwa für Kürbis und Kohl im nächsten Jahr, und arbeite ihn im Frühjahr flach ein. Mist von Tieren, die mit Medikamenten behandelt wurden, verwendest du nicht im Gemüsegarten.
Gesteinsmehl
Fein gemahlenes Gestein wie Basalt- oder Diabasmehl liefert Spurenelemente und Mineralien, wirkt aber sehr langsam. Eine Handvoll pro Quadratmeter im Jahr oder eine Schaufel in den Kompost reicht. Es bindet außerdem Gerüche in Jauche und Kompost.
Holzasche
Asche aus unbehandeltem Holz enthält Kalium und Kalk, kann aber auch Schwermetalle enthalten, die sich im Holz angereichert haben. Sie erhöht den pH-Wert. Wenn du sie verwendest, dann nur aus naturbelassenem Holz, sparsam, höchstens eine Handvoll pro Quadratmeter im Jahr, und nicht auf kalkreichen Böden. Asche von Briketts, Kohle oder behandeltem Holz gehört nie in den Garten.
Vorsicht bei Rizinusschrot
Einige organische Dünger enthalten Rizinusschrot. Er kann für Hunde und Katzen, die ihn fressen, gefährlich sein. Wenn Haustiere im Garten leben, achte auf die Zutatenliste und wähle Dünger ohne Rizinus.
Brennnesseljauche selbst ansetzen
Brennnesseljauche ist ein kostenloser, schnell wirkender Flüssigdünger, reich an Stickstoff und Kalium.
- Schneide etwa 1 Kilogramm frische Brennnesseln, am besten vor der Blüte. Trage dabei Handschuhe.
- Zerkleinere sie grob und gib sie in ein Gefäß aus Holz, Kunststoff oder Ton, nicht aus Metall.
- Gieße 10 Liter Regenwasser darüber.
- Decke das Gefäß mit einem Gitter oder Tuch ab, damit Luft herankommt, aber keine Tiere hineinfallen. Stelle es abseits von Terrasse und Nachbarn auf.
- Rühre täglich um. Eine Handvoll Gesteinsmehl mildert den Geruch.
- Nach ein bis zwei Wochen schäumt die Jauche nicht mehr und ist dunkel: Sie ist fertig.
Anwendung: 1 Teil Jauche auf 10 Teile Wasser verdünnt an den Wurzelbereich gießen, bei Starkzehrern alle ein bis zwei Wochen von Juni bis August. Nicht unverdünnt verwenden und nicht in praller Sonne über die Blätter gießen. Für Erbsen, Bohnen und Zwiebeln ist Brennnesseljauche nicht nötig.
Beinwelljauche wird genauso angesetzt und liefert besonders viel Kalium, gut für Tomaten und Kartoffeln.
Wann und wie viel?
| Kultur | Grunddüngung im Frühjahr | Nachdüngung |
|---|---|---|
| Starkzehrer: Tomaten, Kohl, Kürbis, Zucchini, Kartoffeln, Sellerie | 3 bis 5 l Kompost und 50 bis 80 g Hornspäne pro m² | Juni bis August Jauche alle 1 bis 2 Wochen |
| Mittelzehrer: Möhren, Salat, Rote Bete, Zwiebeln, Mangold, Fenchel | 2 bis 3 l Kompost, eventuell 30 g Hornspäne | meist nicht nötig |
| Schwachzehrer: Bohnen, Erbsen, Feldsalat, Radieschen, Kräuter | 1 bis 2 l Kompost | nicht nötig |
Welche Gemüse zu welcher Gruppe gehören und warum, steht in Starkzehrer, Mittelzehrer, Schwachzehrer.
Überdüngung vermeiden
Mehr Dünger bedeutet nicht mehr Ertrag. Zu viel Stickstoff macht Pflanzen weich und mastig, zieht Blattläuse an, verzögert die Fruchtbildung und lässt Blattgemüse Nitrat einlagern. Überschüssige Nährstoffe werden ausgewaschen und belasten das Grundwasser. Lass deshalb alle drei bis fünf Jahre eine Bodenanalyse machen, wie in Bodenart bestimmen erklärt. Viele Gärten sind mit Phosphor und Kalium so gut versorgt, dass sie jahrelang nur Kompost und etwas Stickstoff brauchen.
Ein Düngeplan für das Gartenjahr
- März bis April: Kompost auf alle Beete nach Bedarf, Hornspäne für Starkzehrer, Kompost als Mulch um Obststräucher.
- Mai: Jauche ansetzen, sobald die Brennnesseln hoch genug sind.
- Juni bis August: Starkzehrer alle ein bis zwei Wochen mit verdünnter Jauche gießen, Mittelzehrer bei Bedarf.
- September: Nicht mehr mit Stickstoff düngen, damit Pflanzen und Gehölze vor dem Winter ausreifen.
- Oktober bis November: Mist und halbreifen Kompost auf Flächen für die Starkzehrer des nächsten Jahres, Gründüngung und Laub auf freie Beete.
Bodenproben: wissen statt raten
Viele Hausgärten sind nicht unter-, sondern überversorgt. Jahrelanges Düngen mit Kompost, Mist und Volldünger führt oft zu sehr hohen Gehalten an Phosphor und Kalium, die das Bodenleben und die Gewässer belasten. Eine Bodenanalyse alle paar Jahre zeigt, was dein Boden wirklich braucht. Landwirtschaftliche Untersuchungsanstalten und private Labore bieten günstige Standardanalysen für Hausgärten an, die neben den Nährstoffen auch den pH-Wert und den Humusgehalt bestimmen.
Für die Probe entnimmst du an mehreren Stellen eines Beetes Erde aus der obersten Spatentiefe, mischst sie in einem sauberen Eimer und schickst eine Teilmenge ein. Das Ergebnis enthält meist eine Düngeempfehlung. Oft zeigt sich dabei, dass für einige Jahre nur Stickstoff, etwa über Hornspäne oder Gründüngung, nötig ist.
Pflanzenjauchen über die Brennnessel hinaus
Neben der bekannten Brennnesseljauche gibt es weitere Pflanzenauszüge, die im Biogarten eine lange Tradition haben. Beinwelljauche ist reich an Kalium und wird gern für Tomaten und andere Fruchtgemüse verwendet. Ackerschachtelhalm wird traditionell als Brühe angesetzt und vorbeugend gegen Pilzkrankheiten auf die Blätter gesprüht, weil er Kieselsäure enthält, die das Blattgewebe festigen soll. Auch gemischte Jauchen aus verschiedenen Kräutern sind möglich.
Verwende Jauchen als Dünger immer verdünnt, meist etwa ein Teil Jauche auf zehn Teile Wasser, und gieße sie auf die Erde, nicht über die Blätter. Unverdünnt können sie Wurzeln und Blätter verbrennen.
Nährstoffe aus der Küche
Einige Küchenreste lassen sich im Garten verwerten, am besten über den Kompost. Bananenschalen enthalten Kalium, Eierschalen Kalk, und das abgekühlte, ungesalzene Kochwasser von Gemüse enthält etwas Mineralstoffe. Direkt auf die Beete gelegt, zersetzen sich solche Reste aber langsam und können Schädlinge anlocken. Im Kompost werden sie dagegen zu wertvollem Humus.
Häufige Fragen
Ist Kaffeesatz ein guter Dünger?
Er enthält etwas Stickstoff und lockt Regenwürmer an. In kleinen Mengen ist er im Kompost oder dünn um Pflanzen gestreut nützlich, ein vollwertiger Dünger ist er nicht.
Kann ich Blaukorn im Biogarten verwenden?
Nein. Mineralische Volldünger gehören nicht zum biologischen Gärtnern. Sie wirken schnell, füttern aber nicht das Bodenleben und werden leicht ausgewaschen.
Wann dünge ich Obstbäume und Beeren?
Im zeitigen Frühjahr mit Kompost als Mulch um die Baumscheibe und, bei Bedarf, einer kleinen Gabe Hornspäne. Mehr dazu in Obstbaum pflanzen.
Wie lagere ich organische Dünger richtig?
Trocken, gut verschlossen und außer Reichweite von Kindern und Haustieren. Manche organische Dünger riechen für Hunde verlockend, und einige, etwa Rizinusschrot, sind für Tiere giftig. Feuchtigkeit lässt organische Dünger verklumpen und schimmeln.
Wie viel Kompost darf ich im Jahr ausbringen?
Für die meisten Gemüsebeete reichen ein bis drei Liter reifer Kompost pro Quadratmeter und Jahr, für Starkzehrer etwas mehr, für Schwachzehrer und Kräuter weniger. Mehr ist nicht besser: Zu viel Kompost über Jahre führt zu einer Überversorgung mit Phosphor und Kalium. Eine Bodenanalyse zeigt, ob du die Menge anpassen solltest.
Brauchen Rasenflächen organischen Dünger?
Ein Rasen, auf dem das Schnittgut liegen bleibt oder der regelmäßig mit dem Mulchmäher gemäht wird, braucht oft nur wenig zusätzlichen Dünger. Eine dünne Schicht feiner Kompost im Frühjahr genügt meist.