Zum Inhalt springen
BYOYBiologisch, ohne Gift: Garten mit Herz

Tomaten im Freiland: pflanzen, ausgeizen und vor Braunfäule schützen

Wie Tomaten im Gartenbeet gesund bleiben: Pflanztermin nach den Eisheiligen, Abstand, Regendach gegen Kraut- und Braunfäule, Ausgeizen, Düngen und Ernte.

Tomaten sind das Lieblingsgemüse der Deutschen, und kaum etwas schmeckt so gut wie eine sonnenwarme Frucht direkt vom Strauch. Im Freiland haben sie aber einen ernsten Gegner: die Kraut- und Braunfäule. In nassen Sommern kann sie innerhalb von zwei Wochen einen ganzen Bestand vernichten. Die gute Nachricht: Mit dem richtigen Standort, einem einfachen Regendach und passenden Sorten bekommst du auch ohne Spritzmittel zuverlässig reife Tomaten bis in den Oktober.

Das Wichtigste in Kürze

  • Auspflanzen erst nach den Eisheiligen, wenn die Nächte nicht mehr unter 10 °C fallen.
  • Abstand: 60 bis 80 cm in der Reihe, 80 bis 100 cm zwischen den Reihen.
  • Das Laub muss trocken bleiben: Regendach, Gießen nur am Fuß, untere Blätter entfernen.
  • Stabtomaten ein- oder zweitriebig ziehen und wöchentlich ausgeizen.
  • Weit weg von Kartoffeln pflanzen, denn beide teilen sich denselben Krankheitserreger.

Der richtige Platz im Garten

Tomaten stammen aus dem Hochland Südamerikas und brauchen viel Wärme und Licht. Wähle den sonnigsten Platz, den dein Garten hat, idealerweise vor einer Süd- oder Südwestwand. Eine Hauswand speichert tagsüber Wärme und gibt sie nachts ab, und ein Dachüberstand hält gleichzeitig Regen ab. Viele Gärtner ernten an solchen Plätzen ohne weiteren Schutz gesunde Tomaten.

Der Boden sollte tiefgründig, humos und gut mit Nährstoffen versorgt sein. Tomaten gehören zu den Starkzehrern. Arbeite im Frühjahr etwa 3 bis 5 Liter reifen Kompost pro Quadratmeter flach ein. Wer zusätzlich Stickstoff geben möchte, streut 50 bis 80 Gramm Hornspäne pro Quadratmeter, die sich über mehrere Wochen langsam zersetzen.

Ein wichtiger Punkt für die Planung: Halte Abstand zu Kartoffeln. Beide sind Nachtschattengewächse, und der Erreger der Kraut- und Braunfäule, Phytophthora infestans, befällt beide. Kartoffelbestände erkranken meist früher und liefern dann massenhaft Sporen, die der Wind zu deinen Tomaten trägt. Tomaten gelten als selbstverträglich und können mehrere Jahre am selben Platz stehen, sofern du im Herbst alle Pflanzenreste gründlich entfernst.

Pflanzzeit und Pflanztechnik

Die Eisheiligen vom 11. bis 15. Mai sind die bekannteste Faustregel. Entscheidender ist aber, dass die Nächte nicht mehr unter etwa 10 °C fallen. Unterhalb dieser Temperatur wachsen Tomaten kaum, und kalte Nächte schwächen sie dauerhaft. In milden Lagen am Rhein kannst du ab Mitte Mai pflanzen, in kühlen Regionen ist Ende Mai bis Anfang Juni oft der bessere Termin. Vorher sollten die Jungpflanzen etwa eine Woche lang abgehärtet werden.

So pflanzt du richtig:

  1. Stelle die Topfballen eine Stunde vor dem Pflanzen in einen Eimer Wasser.
  2. Hebe ein Pflanzloch aus, das tiefer ist als der Topf.
  3. Setze die Pflanze 5 bis 10 cm tiefer, als sie im Topf stand. Am eingegrabenen Stängel bilden Tomaten zusätzliche Wurzeln, die die Pflanze stabiler machen und Wasser besser erschließen.
  4. Stecke den Stab oder die Spirale gleich mit, bevor du die Wurzeln später verletzen könntest.
  5. Gieße kräftig an und decke den Boden nach einigen warmen Tagen mit Mulch ab.
WuchsformAbstand in der ReiheAbstand zwischen ReihenStütze
Stabtomaten (Salat-, Fleisch-, Cocktailtomaten)60 cm80 bis 100 cmSpiralstab oder Schnur, 1,8 bis 2 m
Buschtomaten60 bis 80 cm80 cmkurzer Stab oder Ring
Wildtomaten, Johannisbeertomaten80 bis 100 cm100 cmGerüst oder frei ranken lassen

Kraut- und Braunfäule verstehen

Die Kraut- und Braunfäule ist kein Pilz im engeren Sinn, sondern ein Eipilz. Seine Sporen keimen nur, wenn die Blätter mehrere Stunden lang nass sind. Genau hier setzt die Vorbeugung an: Wenn das Laub trocken bleibt, kann der Erreger kaum Fuß fassen.

Typische Anzeichen sind graugrüne bis braune Flecken auf den Blättern, die sich rasch ausbreiten, braune Stellen am Stängel und harte, braun marmorierte Früchte. Auf der Blattunterseite sieht man bei feuchtem Wetter oft einen weißlichen Belag.

Das Regendach

Ein Regendach ist die wirksamste Maßnahme im Hausgarten. Es reicht eine einfache Konstruktion aus Holzlatten oder Metallstangen mit einer lichtdurchlässigen Folie oder Doppelstegplatten in etwa 2 m Höhe. Wichtig ist, dass die Seiten offen bleiben. Ein geschlossener Folientunnel ohne Lüftung erzeugt Kondenswasser auf den Blättern und kann die Lage sogar verschlimmern. Das Dach sollte rundum 30 bis 40 cm über die Pflanzen hinausragen, damit auch Schrägregen abgehalten wird.

Weitere Maßnahmen gegen Braunfäule

  • Am Fuß gießen: Gieße morgens direkt auf den Boden, nie über die Blätter.
  • Untere Blätter entfernen: Schneide die Blätter bis auf etwa 30 bis 40 cm Höhe ab, sobald die ersten Früchte ansetzen. So spritzt kein Erdreich mit Sporen auf das Laub.
  • Mulchen: Eine Schicht aus Rasenschnitt oder Stroh verhindert Spritzwasser.
  • Luftig pflanzen: Lieber eine Pflanze weniger setzen als zu dicht.
  • Befallene Blätter sofort entfernen: Entsorge sie im Hausmüll, nicht auf dem Kompost.
  • Stäbe desinfizieren: Spiralstäbe vor der neuen Saison mit heißem Wasser oder Essigwasser reinigen.

Sorten für das Freiland

Die Sortenwahl macht einen großen Unterschied. Es gibt inzwischen Sorten, die gegen die Braunfäule widerstandsfähig sind. Völlig immun ist keine, aber sie halten deutlich länger durch.

  • Hybriden mit Resistenzzüchtung: ‚Philovita' F1, ‚Phantasia' F1 und ‚Crimson Crush' F1 gelten als sehr widerstandsfähig.
  • Samenfeste Freilandsorten: Aus dem ökologischen Züchtungsprojekt der Universität Göttingen stammen Sorten wie ‚Primabella', eine robuste Cocktailtomate.
  • Wildtomaten und Johannisbeertomaten: Kleine Früchte, viele Triebe, aber erstaunlich robust gegen Braunfäule. Sie müssen nicht ausgegeizt werden.

Wenn du samenfeste Sorten anbaust, kannst du dein Saatgut selbst gewinnen und über die Jahre Pflanzen auslesen, die sich in deinem Garten bewährt haben.

Ausgeizen, Anbinden und Entspitzen

Geiztriebe wachsen in den Blattachseln, also im Winkel zwischen Haupttrieb und Blatt. Bei Stabtomaten entfernst du sie einmal pro Woche, solange sie noch klein sind. Sie lassen sich dann einfach mit den Fingern seitlich wegbrechen. Kleine Wunden trocknen schneller ab als große Schnitte. Ausgeizen solltest du an trockenen Vormittagen, damit die Wunden bis zum Abend abgetrocknet sind.

Du kannst Stabtomaten auch zweitriebig ziehen, indem du einen kräftigen Geiztrieb direkt unter dem ersten Blütenstand stehen lässt. Das ergibt mehr Früchte bei gleicher Pflanzenzahl, braucht aber etwas mehr Platz.

Binde den Haupttrieb locker an den Stab, oder winde ihn an der Spirale entlang. Bei Schnüren drehst du die Pflanze jede Woche einmal um die Schnur.

Etwa Anfang bis Mitte August schneidest du die Triebspitze über dem letzten Blütenstand ab, der noch Früchte ansetzt. Blüten, die danach erscheinen, bringen bis zum Herbst keine reifen Früchte mehr. Die Pflanze steckt ihre Kraft dann in die vorhandenen Tomaten.

Gießen und Düngen im Sommer

Tomaten brauchen viel, vor allem aber gleichmäßig Wasser. Starke Schwankungen zwischen Trockenheit und viel Wasser führen zu geplatzten Früchten und begünstigen die Blütenendfäule. Dabei werden die Früchte an der Unterseite schwarz und ledrig. Ursache ist meist kein Kalkmangel im Boden, sondern ein gestörter Calciumtransport bei unregelmäßiger Wasserversorgung. In heißen Wochen sind 5 bis 10 Liter pro Pflanze und Woche, verteilt auf zwei bis drei Gaben, ein guter Richtwert. Eine Mulchschicht hält die Feuchtigkeit im Boden.

Ab dem Fruchtansatz kannst du alle zwei bis drei Wochen mit verdünnter Brennnessel- oder Beinwelljauche (etwa 1 Teil Jauche auf 10 Teile Wasser) nachdüngen. Beinwell liefert viel Kalium, das die Fruchtqualität fördert. Gib die Jauche auf den feuchten Boden, nicht auf die Blätter.

Ernte und Saisonende

Die ersten Früchte reifen im Freiland meist ab Mitte bis Ende Juli. Ernte sie, wenn sie vollständig ausgefärbt sind und auf leichten Druck etwas nachgeben. Grünkragen am Stielansatz ist bei vielen alten Sorten normal und kein Reifefehler.

Wenn im Oktober Nachtfrost droht, erntest du alle Früchte, die schon etwas Farbe zeigen. Sie reifen bei Zimmertemperatur in einer Kiste mit Zeitungspapier nach. Ganz grüne Früchte enthalten das Alkaloid Solanin und sollten nicht roh gegessen werden. Nach der Ernte ziehst du die Pflanzen aus, entsorgst kranke Pflanzenteile über den Hausmüll und säst auf dem Beet Gründüngung oder Feldsalat.

Häufige Fragen

Kann ich Tomaten im Freiland ganz ohne Dach anbauen?

Ja, in trockenen Sommern und mit robusten Sorten klappt das. In nassen Jahren musst du aber mit Ausfällen ab August rechnen. Wildtomaten und resistente Sorten sind dann die sicherste Wahl.

Helfen Brennnesseljauche oder Milch gegen Braunfäule?

Für Hausmittel wie Milch oder Schachtelhalmbrühe gibt es Berichte aus der Praxis, aber keinen verlässlichen Schutz. Sie ersetzen kein trockenes Laub. Wenn der Befall einmal da ist, kannst du ihn höchstens verlangsamen, indem du kranke Blätter sofort entfernst.

Warum werfen meine Tomaten Blüten ab?

Meist ist es zu heiß oder zu kalt. Über etwa 30 °C und unter 13 °C wird der Pollen schlecht übertragen. Leichtes Schütteln der Blütenstände an warmen Vormittagen hilft bei der Bestäubung, im Freiland erledigen das aber meist Wind und Hummeln.

Darf ich kranke Tomatenpflanzen kompostieren?

Besser nicht. Ein normaler Gartenkompost wird selten heiß genug, um alle Erreger abzutöten. Entsorge befallene Pflanzenteile über den Hausmüll oder die Biotonne, denn kommunale Kompostieranlagen erreichen höhere Temperaturen.

Wann ernte ich die letzten Tomaten im Herbst?

Spätestens vor dem ersten Frost. Grüne Tomaten, die bereits ihre volle Größe erreicht haben, reifen im Haus bei Zimmertemperatur nach. Wickle sie einzeln in Zeitungspapier oder lege sie zusammen mit einem Apfel in eine Kiste, dann färben sie sich schneller. Kleine, ganz unreife Früchte reifen dagegen kaum noch nach.

Wie weit pflanze ich Tomaten auseinander?

In der Reihe etwa 50 bis 60 Zentimeter, zwischen den Reihen 80 bis 100 Zentimeter. Der Abstand sorgt dafür, dass die Blätter nach Regen schnell abtrocknen, und beugt so Pilzkrankheiten vor.

Zwischen die Reihen passen dann noch niedrige Begleiter wie Basilikum oder Ringelblumen.

Weiterlesen

Passende Anleitungen