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BYOYBiologisch, ohne Gift: Garten mit Herz

Blumen im Gemüsebeet: Ringelblume, Tagetes, Kapuzinerkresse und Borretsch als Helfer

Welche Blumen im Gemüsegarten Nützlinge anlocken, Schädlinge ablenken und den Boden verbessern, was an den Wirkungen dran ist, wo sie hingehören und welche Blüten du essen kannst.

In alten Bauerngärten wuchsen Gemüse und Blumen immer gemeinsam: Ringelblumen zwischen dem Kohl, Kapuzinerkresse am Zaun, Borretsch am Beetrand. Das sah nicht nur schön aus. Die Blüten locken Bienen und Hummeln an, die Bohnen, Gurken und Zucchini bestäuben. Sie ernähren Schwebfliegen und Schlupfwespen, deren Larven Blattläuse und Raupen fressen. Manche Blumen lenken Schädlinge vom Gemüse ab, andere verbessern den Boden. Ein Gemüsebeet mit Blumen ist deshalb ein lebendiges, vielfältiges System, in dem weniger Probleme entstehen als in einer reinen Gemüsefläche. Dieser Ratgeber stellt die besten Begleitblumen vor und erklärt ehrlich, was sie leisten können.

Das Wichtigste in Kürze

  • Blühende Begleitpflanzen ernähren Nützlinge wie Schwebfliegen, Florfliegen und Schlupfwespen, deren Larven Schädlinge fressen.
  • Tagetes kann im Boden bestimmte Fadenwürmer zurückdrängen, lockt aber auch Schnecken an.
  • Kapuzinerkresse zieht Blattläuse auf sich und kann so andere Pflanzen entlasten.
  • Ringelblume, Borretsch, Phacelia und Kornblume sind Bienenmagneten und leicht zu ziehen.
  • Blumen gehören an Beetränder, Reihenenden und in Lücken, nicht so dicht, dass sie das Gemüse bedrängen.

Was Begleitblumen bewirken

Nützlinge füttern: Viele Nützlinge leben als Larven räuberisch, brauchen als erwachsene Tiere aber Nektar und Pollen. Schwebfliegen etwa legen ihre Eier in Blattlauskolonien, ihre Larven fressen Hunderte Läuse. Die erwachsenen Fliegen finden Nahrung vor allem an offenen, flachen Blüten wie Ringelblume, Kamille, Dill und Phacelia. Mehr über diese Helfer steht in Nützlinge im Garten.

Bestäubung: Zucchini, Kürbis, Gurken, Bohnen und viele Obstarten brauchen Insekten, damit sich Früchte bilden. Blühende Pflanzen im Beet holen Bienen und Hummeln an den richtigen Ort.

Ablenken: Manche Pflanzen sind für bestimmte Schädlinge attraktiver als das Gemüse. Als Fangpflanzen ziehen sie Läuse oder Schnecken auf sich.

Boden: Tiefwurzelnde Blumen lockern den Boden, und einige wirken auf Bodenorganismen ein.

Wichtig ist eine ehrliche Erwartung: Begleitblumen sind kein Pflanzenschutzmittel. Sie verschieben das Gleichgewicht im Garten zugunsten der Nützlinge. Je vielfältiger der Garten, desto stabiler wird dieses Gleichgewicht über die Jahre.

Die besten Begleitblumen

BlumeAussaatWas sie bewirktHinweise
RingelblumeMärz bis Mai direkt ins BeetNektar für Schwebfliegen und Bienen, lange Blüte bis zum Frostsät sich selbst aus, Blüten essbar
Tagetes (Studentenblume)ab Mitte Mai pflanzenWurzeln können bestimmte Fadenwürmer im Boden zurückdrängenlockt Schnecken an, nicht neben Salat
Kapuzinerkresseab Mitte Mai direkt säenFangpflanze für Blattläuse, rankt, bedeckt BodenBlüten und Blätter essbar, scharf
BorretschApril bis Juni direkt säensehr beliebt bei Hummeln und Bienenwird groß, sät sich stark aus, Blüten essbar
PhaceliaMärz bis Augusteiner der besten Bienenfreunde, Gründüngungmit keinem Gemüse verwandt
KornblumeMärz bis MaiNektar, auch an den Blattachseln, für Nützlingeeinjährig, schöne Schnittblume
Dill, Koriander (blühend)März bis JuliDoldenblüten für Schwebfliegen und SchlupfwespenDoldenblütler wie Möhren, in der Fruchtfolge mitdenken
SonnenblumeMaiNahrung für Bienen, später Samen für Vögelwirft Schatten, an die Nordseite
Cosmea, ZinnienMailange Blüte, Nektar für viele Insekteneinjährig, wärmeliebend

Tagetes und Fadenwürmer

Tagetes, besonders die Arten Tagetes patula und Tagetes erecta, bilden in ihren Wurzeln Stoffe, die bestimmte schädliche Fadenwürmer, sogenannte Nematoden, im Boden schädigen können. Der Effekt tritt aber nur auf, wenn Tagetes dicht und über mehrere Monate wächst, idealerweise als flächige Kultur. Ein paar einzelne Pflanzen zwischen den Tomaten haben kaum Einfluss auf die Nematoden. Gleichzeitig sind Tagetes bei Schnecken sehr beliebt. Manche Gärtner nutzen das und pflanzen sie bewusst als Lockpflanze an den Beetrand, wo sie die Schnecken jeden Morgen absammeln. Mehr dazu in Nacktschnecken ohne Gift.

Kapuzinerkresse als Fangpflanze

Kapuzinerkresse wird gern von der Schwarzen Bohnenlaus befallen. In der Nähe von Bohnen oder Kohl kann sie Läuse auf sich ziehen und die Nutzpflanzen entlasten. Stark befallene Triebe schneidest du ab. Außerdem bedeckt sie mit ihren Ranken den Boden und hält ihn feucht. Unter Obstbäumen wird sie gern als Bodendecker gepflanzt.

Wo Blumen im Gemüsebeet hingehören

  • Beetränder: Ein Saum aus Ringelblumen, Kornblumen oder Kapuzinerkresse rahmt das Beet ein, ohne Platz zu kosten.
  • Reihenenden: Am Ende jeder Gemüsereihe ein oder zwei Blumen.
  • Lücken: Wo eine Gemüsepflanze nicht angegangen ist oder nach der Ernte Platz frei wird, kommt eine schnell wachsende Blume hinein.
  • Zwischen Starkzehrern: Zwischen Kürbis und Zucchini ist im Frühsommer viel Platz, bevor die Pflanzen ihn ausfüllen.
  • Eigener Blühstreifen: Ein schmaler Streifen mit einjährigen Blumen neben dem Gemüsegarten ist ein Zentrum für Nützlinge. Wie du daraus eine Blumenwiese machst, beschreibt Blühwiese anlegen.

Achte darauf, dass die Blumen das Gemüse nicht beschatten oder überwuchern. Borretsch und Sonnenblumen werden groß und gehören an den Rand.

Kombinationen, die sich bewährt haben

GemüseBegleitblumeGrund
KohlRingelblume, KapuzinerkresseNützlinge gegen Raupen und Läuse
TomatenTagetes am Rand, BasilikumNützlinge, Bodenschutz
BohnenBohnenkraut, KapuzinerkresseLäuse ablenken, Aroma
Gurken, ZucchiniBorretsch, PhaceliaBestäuber anlocken
Möhren, ZwiebelnRingelblume, KornblumeSchwebfliegen und Schlupfwespen
ErdbeerenBorretschBienen für die Bestäubung

Die Kombinationen beruhen vor allem auf Erfahrung aus der Gartenpraxis. Wie Gemüse untereinander zusammenpasst, steht in Mischkultur: gute und schlechte Nachbarn.

Essbare Blüten

Viele Begleitblumen kannst du essen: Ringelblume, Kapuzinerkresse, Borretsch, Kornblume, Zucchiniblüten, Schnittlauchblüten und Ringelblumen machen Salate bunt. Iss nur Blüten, die du sicher erkennst, die nicht gespritzt wurden und nicht am Straßenrand wachsen. Tagetes, Cosmea und Zierpflanzen aus dem Gartencenter sind nicht zum Essen gedacht. Menschen mit Allergien gegen Korbblütler sollten bei Ringelblume und Kornblume vorsichtig sein.

Blumen im Jahreslauf

Damit Nützlinge das ganze Jahr Nahrung finden, sollte immer etwas blühen. Plane die Begleitblumen so, dass sich die Blütezeiten überlappen:

ZeitraumBlühende Begleiter
April bis MaiSchnittlauch, Vergissmeinnicht am Beetrand, früh gesäte Ringelblumen aus der Selbstaussaat
Juni bis JuliBorretsch, Kornblume, Phacelia, Dill, Koriander, Kapuzinerkresse
August bis SeptemberRingelblume, Tagetes, Cosmea, Zinnien, Sonnenblume
Oktober bis zum FrostRingelblume, späte Phacelia aus der Gründüngung, Kapuzinerkresse

Besonders wertvoll ist das zeitige Frühjahr, wenn erste Schwebfliegen und Wildbienen unterwegs sind, aber im Gemüsegarten noch kaum etwas blüht. Frühblühende Stauden und Zwiebelblumen am Rand des Gemüsegartens schließen diese Lücke. Mehr über die Bedürfnisse der Wildbienen steht in Wildbienen fördern.

Samen selbst ernten

Ringelblume, Kornblume, Borretsch, Tagetes und Kapuzinerkresse sind samenfeste Pflanzen, deren Samen du leicht selbst sammeln kannst. Lass einige der schönsten Blüten ausreifen, ernte die trockenen Samenstände an einem sonnigen Tag und bewahre die Samen kühl und trocken in Papiertüten auf. So hast du jedes Jahr kostenlos Begleitblumen. Wie Saatgutgewinnung bei Gemüse funktioniert, erklärt Saatgut selbst gewinnen.

Blumen gegen Schädlinge: was wirklich belegt ist

Viele Ratgeber versprechen, dass bestimmte Blumen Schädlinge vertreiben. Für einige Fälle gibt es gute Hinweise, etwa für Tagetes, deren Wurzeln bestimmte Fadenwürmer im Boden zurückdrängen, wenn sie dicht und eine ganze Saison lang wachsen. Viele andere Versprechen, dass ein einzelner Duft Schädlinge fernhält, sind dagegen kaum belegt.

Der eigentliche Nutzen der Blumen liegt woanders: Sie locken Nützlinge an. Schwebfliegen, Florfliegen und winzige Schlupfwespen brauchen als erwachsene Tiere Nektar und Pollen, ihre Larven fressen dagegen Blattläuse und andere Schädlinge. Besonders wertvoll sind Blüten mit leicht erreichbarem Nektar, etwa von Doldenblütlern wie Dill und Koriander oder von einfachen Korbblütlern wie Ringelblume und Kornblume. Wer sie zwischen das Gemüse setzt, holt sich die Schädlingsbekämpfer direkt ins Beet.

Blumen, die nicht ins Gemüsebeet gehören

Nicht jede schöne Blume passt neben das Gemüse. Giftige Pflanzen wie Fingerhut, Eisenhut oder Rittersporn haben im Gemüsebeet nichts verloren, vor allem wenn Kinder mitgärtnern oder Blätter verwechselt werden könnten. Auch sehr hohe, wuchernde Arten, die das Gemüse beschatten, oder Pflanzen, die sich mit Wurzelausläufern über das ganze Beet ausbreiten, machen mehr Arbeit, als sie nutzen.

Vorsicht auch bei gekauften Blumen aus dem Gartencenter: Sie sind oft mit Pflanzenschutzmitteln behandelt worden und nicht für den Verzehr gedacht. Wenn du essbare Blüten ernten möchtest, ziehe die Pflanzen am besten selbst aus Bio-Saatgut.

Häufige Fragen

Nehmen Blumen dem Gemüse nicht Nährstoffe weg?

Einjährige Begleitblumen brauchen wenig und stehen meist am Rand. Bei vernünftigen Abständen ist die Konkurrenz gering, der Nutzen durch Nützlinge und Bestäuber deutlich größer.

Säen sich die Blumen nicht überall aus?

Ringelblume und Borretsch tun das gern. Junge Sämlinge an ungünstigen Stellen ziehst du einfach heraus oder verpflanzt sie.

Kann ich auch Kräuter statt Blumen nehmen?

Ja. Blühender Dill, Koriander, Thymian, Oregano und Schnittlauch sind hervorragende Nektarquellen. Lass einige Kräuter bewusst blühen, statt sie alle zu ernten.

Ziehen Blumen Schnecken an?

Manche schon. Tagetes zum Beispiel sind bei Schnecken ausgesprochen beliebt. Das kann man nutzen: Einige Tagetes am Beetrand lenken Schnecken vom Gemüse ab und machen es leichter, sie abends abzusammeln. Wer viele Schnecken im Garten hat, wählt für das Innere des Beets eher Blumen, die Schnecken meiden, etwa Kapuzinerkresse oder Borretsch.

Wann säe ich Begleitblumen am besten?

Ringelblumen, Kornblumen und Borretsch kannst du ab April direkt ins Beet säen, sobald der Boden nicht mehr gefroren ist. Kapuzinerkresse und Tagetes sind frostempfindlich und kommen erst nach den Eisheiligen ins Freie oder werden auf der Fensterbank vorgezogen. Wer früh im Jahr schon Blüten möchte, setzt im Herbst einige Frühlingszwiebeln wie Krokusse an den Beetrand.

Wie viele Blumen brauche ich in einem Beet?

Schon wenige Pflanzen machen einen Unterschied. Eine Reihe Ringelblumen am Rand oder einzelne Blumen alle paar Meter zwischen den Gemüsereihen reichen, um Nützlinge anzulocken, ohne dem Gemüse viel Platz zu nehmen.

Mehr Blumen schaden aber nicht, solange das Gemüse genug Licht bekommt.

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