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BYOYBiologisch, ohne Gift: Garten mit Herz

Kartoffeln anbauen: vorkeimen, legen, häufeln und gesund ernten

Kartoffeln im Bio-Garten: Pflanzgut wählen, vorkeimen, Legetermin und Abstand, häufeln, Kraut- und Knollenfäule und Kartoffelkäfer ohne Gift begegnen, ernten und lagern.

Kaum ein Gemüse bringt so viel Ertrag auf so wenig Fläche wie die Kartoffel, und kaum eine Ernte macht so viel Freude: Wer im Spätsommer mit der Grabgabel unter eine Staude fährt und die gelben, roten oder blauen Knollen aus der Erde hebt, fühlt sich wie bei einer Schatzsuche. Selbst angebaute Kartoffeln schmecken anders als gekaufte, besonders wenn du Sorten wählst, die es im Laden selten gibt. Der Anbau ist einfach, verlangt aber etwas Planung: das richtige Pflanzgut, Geduld beim Legetermin, regelmäßiges Häufeln und einen wachsamen Blick auf Kraut- und Knollenfäule.

Das Wichtigste in Kürze

  • Verwende zertifiziertes Pflanzgut, keine Speisekartoffeln aus dem Supermarkt. Sie können Krankheiten übertragen und sind oft keimgehemmt.
  • Vorkeimen ab Anfang März an einem hellen, kühlen Ort bringt zwei bis drei Wochen Vorsprung.
  • Gelegt wird, wenn der Boden etwa 8 bis 10 Grad warm ist, je nach Region Mitte April bis Anfang Mai.
  • Abstand: 30 bis 40 Zentimeter in der Reihe, 60 bis 70 Zentimeter zwischen den Reihen. Mehrmals häufeln.
  • Kartoffeln nicht nach Tomaten oder neben Tomaten anbauen. Beide teilen sich Kraut- und Braunfäule.

Pflanzgut und Sorten

Kaufe Pflanzkartoffeln im Gartenfachhandel, in Raiffeisenmärkten oder bei Saatgutversendern. Zertifiziertes Pflanzgut ist auf Viruskrankheiten und Schaderreger geprüft. Speisekartoffeln aus dem Handel sind dafür nicht gedacht: Sie sind oft mit Keimhemmern behandelt und können Krankheiten in deinen Boden bringen, die du jahrelang nicht mehr loswirst.

Sorten unterscheiden sich nach Reifezeit und Kochtyp:

ReifegruppeErntezeitEigenschaften
Sehr frühab JuniFrühkartoffeln mit dünner Schale, nicht lagerfähig
FrühJuligut für neue Kartoffeln, entgehen oft der Krautfäule
MittelfrühAugust bis Anfang SeptemberAllrounder, teilweise lagerfähig
Mittelspät bis spätSeptemberbeste Lagerkartoffeln, länger anfällig für Krankheiten

Für kleine Gärten sind frühe Sorten besonders interessant. Sie sind geerntet, bevor die Kraut- und Knollenfäule im feuchten Hochsommer zuschlägt, und das Beet wird frei für eine Nachkultur wie Feldsalat, Spinat oder Wintersalate. Wie du ein Beet mehrmals im Jahr nutzt, erklärt Vorkultur, Hauptkultur, Nachkultur.

Zum Kochtyp gilt: festkochende Sorten für Salat und Bratkartoffeln, vorwiegend festkochende als Allrounder, mehligkochende für Püree und Klöße. Viele alte und farbige Sorten gibt es nur als Pflanzgut von spezialisierten Erhaltungsbetrieben.

Vorkeimen

Vorgekeimte Kartoffeln wachsen schneller an, können früher geerntet werden und sind damit länger vor Krankheiten geschützt.

  1. Lege die Pflanzkartoffeln ab Anfang März mit dem „Nabel“, der Stelle mit den meisten Augen, nach oben in flache Kisten oder Eierkartons.
  2. Stelle sie hell und kühl auf, bei etwa 10 bis 15 Grad, zum Beispiel in einem hellen Kellerraum, einem Wintergarten oder einem kühlen Zimmer am Fenster. Keine direkte, heiße Sonne.
  3. Nach vier bis sechs Wochen sind kurze, kräftige, grüne oder violette Keime von ein bis zwei Zentimetern entstanden. Lange, weiße, dünne Keime zeigen, dass es zu dunkel und zu warm war. Sie brechen beim Legen leicht ab.

Boden und Standort

Kartoffeln mögen einen lockeren, humosen, eher leichten Boden in voller Sonne. Schwere, nasse Lehmböden fördern Fäulnis und erschweren die Ernte. Kartoffeln sind Starkzehrer: Arbeite im Herbst oder im Frühjahr reifen Kompost ein, etwa drei bis fünf Liter pro Quadratmeter. Frischer Mist ist ungünstig, weil er Schorf fördern kann. Kalk brauchen Kartoffeln nicht, auf frisch gekalkten Böden tritt Schorf häufiger auf.

Wechsle den Standort jedes Jahr. Auf derselben Fläche sollten Kartoffeln und andere Nachtschattengewächse wie Tomaten frühestens nach drei bis vier Jahren wieder stehen. Wie das in einem kleinen Garten klappt, steht in Fruchtfolge planen.

Legen

Der Boden sollte sich auf etwa 8 bis 10 Grad erwärmt haben. In milden Regionen ist das oft Mitte April, in kühlen Lagen Anfang Mai. Frühe Sorten kannst du etwas früher legen und bei Spätfrostgefahr mit Vlies schützen.

  1. Ziehe Furchen von etwa 10 bis 15 Zentimetern Tiefe.
  2. Lege die Knollen mit den Keimen nach oben im Abstand von 30 bis 40 Zentimetern hinein. Frühe Sorten brauchen weniger Platz als späte.
  3. Lass zwischen den Reihen 60 bis 70 Zentimeter Platz, damit du später häufeln kannst.
  4. Bedecke die Knollen mit Erde, sodass ein flacher Damm entsteht.

Häufeln und Pflege

Sobald das Laub etwa 15 bis 20 Zentimeter hoch ist, ziehst du mit einer Hacke Erde von beiden Seiten an die Pflanzen, bis nur noch die oberen Blätter herausschauen. Wiederhole das zwei- bis dreimal im Abstand von zwei bis drei Wochen, bis die Pflanzen sich schließen.

Häufeln hat mehrere Gründe:

  • Die Knollen bilden sich an den Ausläufern im Damm. Mehr lockere Erde bedeutet mehr Platz und meist mehr Ertrag.
  • Knollen, die ans Licht kommen, werden grün und enthalten dann mehr Solanin. Sie sind nicht mehr zum Essen geeignet.
  • Der Damm erwärmt sich schneller und lässt Regen besser ablaufen.

Statt zu häufeln, kannst du auch dick mulchen, zum Beispiel mit Grasschnitt oder Stroh. Mehr dazu steht in Mulchen im Gemüsegarten.

Gießen: Kartoffeln brauchen vor allem während der Blüte und der Knollenbildung gleichmäßige Feuchtigkeit. Gieße bei Trockenheit durchdringend morgens an den Boden, nicht über das Laub.

Kraut- und Knollenfäule

Die gefürchtetste Krankheit ist die Kraut- und Knollenfäule, ausgelöst durch Phytophthora infestans. Sie zeigt sich an braunen, sich schnell ausbreitenden Flecken auf den Blättern, oft mit weißem Belag auf der Unterseite bei feuchtem Wetter. Bei warmer, feuchter Witterung kann sie ein Beet in wenigen Tagen zerstören.

Vorbeugen ohne Gift:

  • frühe Sorten wählen und vorkeimen, damit die Knollen vor der Hauptbefallszeit ausgereift sind,
  • tolerante Sorten bevorzugen,
  • weiten Abstand halten, damit das Laub schnell abtrocknet,
  • nur an den Boden gießen,
  • Abstand zu Tomaten halten,
  • befallenes Laub sofort entfernen und nicht auf den Kompost geben.

Ist das Laub stark befallen, schneidest du es ab und entsorgst es im Hausmüll. Die Knollen lässt du noch zwei Wochen im Boden, damit die Schale fest wird und Sporen nicht auf die Knollen gelangen. Mehr zu Pilzkrankheiten steht in Pilzkrankheiten vorbeugen.

Kartoffelkäfer

Die gelb-schwarz gestreiften Käfer und ihre roten Larven fressen das Laub. In kleinen Gärten ist Absammeln die wirksamste Methode: Kontrolliere die Pflanzen ab Mai alle paar Tage, sammle Käfer und Larven in ein Gefäß und zerdrücke die gelben Eigelege auf den Blattunterseiten. Ein Netz über den Reihen nach dem Austrieb hält zuwandernde Käfer ab. Nützlinge wie Laufkäfer und Raubwanzen helfen mit, wie in Nützlinge im Garten beschrieben.

Ernten

  • Frühkartoffeln erntest du, sobald die Pflanzen blühen und die ersten Knollen groß genug sind. Grabe vorsichtig nach und entnimm nur, was du in den nächsten Tagen isst.
  • Lagerkartoffeln erntest du, wenn das Laub vollständig abgestorben ist und die Schale fest ist. Reibe mit dem Daumen über eine Knolle: Lässt sich die Schale nicht mehr abreiben, sind sie reif.

Grabe mit einer Grabgabel weit außen an der Pflanze, damit du keine Knollen ansticht. Ernte an einem trockenen Tag und lass die Kartoffeln eine bis zwei Stunden auf dem Beet abtrocknen, nicht länger in der Sonne.

Lagern

Lagere nur unverletzte, gesunde Knollen. Beschädigte Kartoffeln isst du zuerst. Ideal ist ein dunkler, kühler, luftiger Ort mit 4 bis 8 Grad, etwa ein Keller, in Kisten oder Säcken aus Jute. Licht macht Kartoffeln grün, Wärme lässt sie keimen, Kälte unter vier Grad macht sie süß. Kontrolliere den Vorrat regelmäßig und sortiere faulende Knollen aus.

Kartoffeln in der Fruchtfolge

Kartoffeln gehören zu den Nachtschattengewächsen, wie Tomaten, Paprika und Auberginen. Diese Pflanzen teilen sich Krankheiten und Schädlinge, etwa die Kraut- und Knollenfäule. Baue Kartoffeln deshalb nicht dort an, wo im Vorjahr Tomaten standen, und warte drei bis vier Jahre, bevor Nachtschattengewächse wieder auf dieselbe Fläche kommen.

Als Starkzehrer brauchen Kartoffeln einen gut versorgten Boden, am besten mit reifem Kompost. Nach der Ernte hinterlassen sie einen lockeren, unkrautarmen Boden, der sich gut für Kulturen wie Feldsalat, Spinat oder eine Gründüngung eignet. Mehr dazu im Ratgeber Fruchtfolge planen.

Häufige Fragen

Kann ich Kartoffeln im Topf oder Sack anbauen?

Ja, in großen Kübeln oder Pflanzsäcken mit mindestens 40 Litern. Du füllst nach und nach Erde nach, wie beim Häufeln. Der Ertrag ist geringer als im Beet, aber für Frühkartoffeln auf der Terrasse gut geeignet.

Darf ich die Kartoffelbeeren essen?

Nein. Die grünen, tomatenähnlichen Beeren, die manche Sorten nach der Blüte bilden, sind giftig. Achte darauf, dass Kinder sie nicht essen.

Warum sind meine Kartoffeln schorfig?

Kartoffelschorf zeigt sich als raue, korkige Flecken auf der Schale. Er tritt vor allem in trockenen, kalkreichen, leichten Böden auf. Die Knollen sind essbar, wenn du sie schälst. Gleichmäßige Feuchtigkeit während der Knollenbildung und kein frischer Kalk helfen vorzubeugen.

Warum werden Kartoffeln grün?

Wenn Knollen dem Licht ausgesetzt sind, bilden sie Blattgrün und zugleich mehr Solanin, einen Bitterstoff, der in größeren Mengen giftig ist. Häufle die Pflanzen deshalb gut an und lagere geerntete Kartoffeln dunkel. Kleine grüne Stellen schneidest du großzügig heraus, stark grüne Knollen solltest du nicht essen.

Kann ich Speisekartoffeln aus dem Supermarkt pflanzen?

Das ist nicht zu empfehlen. Speisekartoffeln sind manchmal mit Keimhemmern behandelt und können Krankheiten mitbringen. Zertifizierte Pflanzkartoffeln sind auf Gesundheit geprüft und liefern verlässlichere Ernten.

Wann kann ich Frühkartoffeln ernten?

Frühkartoffeln sind meist erntereif, wenn die Pflanzen abgeblüht sind. Grabe probeweise eine Pflanze aus: Sind die Knollen groß genug, kannst du nach Bedarf ernten. Frühkartoffeln haben eine dünne Schale und sollten bald gegessen werden, denn sie lassen sich nicht lange lagern.

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